Deichbrand 2018 Rückblick + Tipps

Letztes Wochenende war wieder das schönste Wochenende des Jahres. Nicht ohne Grund feiere ich seit 2016 jedes Jahr meinen Geburtstag beim Deichbrand Festival in Cuxhaven. Aufgrund meiner dreijährigen Deichbrand-Erfahrung erlaube ich es mir, ein Fazit aufzustellen.

Zuerst muss ich etwas meckern. Die Organisation ist leider eher schlecht für so ein großes Festival. Dies war bereits 2016 der Fall, 2017 und 2018 änderte sich absolut nichts daran. Die Anreise erweist sich als Katastrophe, da sich der Stau am Donnerstag nicht vermeiden lässt. Dieses Mal fuhren wir morgens um 7 Uhr aus Hannover los, mit dem Ziel, den Parkplatz um 12 Uhr erreicht zu haben. 5 Stunden planten wir also für die Fahrt ein, die laut Google Maps 2,5 Stunden dauern sollte. Spoiler: Wir schafften es nicht. Um 12:35 waren wir schließlich auf dem Parkplatz, trotzdem ein neuer Rekord. Vorher hatten wir es nie vor 14 Uhr geschafft. Falls ihr aus der Nähe Cuxhavens kommt, rate ich euch, sehr früh morgens hinzufahren, um den Stau zu vermeiden. Wer weiter weg wohnt und nicht Ewigkeiten im Auto schmoren möchte, sollte über die Frühanreise nachdenken, oder erst Donnerstag Abend oder Freitag kommen. Fürs nächste Deichbrand werde ich mir vermutlich eine WOMO-Plakette sowie die Anreise am Mittwoch gönnen. Genug geschleppt und angestanden. Schleppen und anstehen, das ist der nächste Punkt. Wir hatten uns fest vorgenommen, im Süden zu parken. Es hieß jedoch, der Süd-Parkplatz sei schon voll, weshalb wir, wie jedes Jahr, auf Parkplatz Nord landeten. Zum Camp Central ist das eine halbe Weltreise, wenn man schwer bepackt ist. Mit Zelt und Campingstuhl wartet man in der angeblichen Fast Lane, eine Vollkatastrophe. Niemand weiß genau, wo er hingehen soll, alle stehen wild durcheinander, bis man relativ weit vorne ist. Dann trifft man auf einen netten Bauzaun, der den Weg am Ende doch noch versperrt. Von weiter hinten hatte man allerdings keine Chance, diesen zu sehen. Also wieder außen herum und erneut weiter hinten anstellen und nochmal warten. Wir waren extrem froh, als wir unser Camp dann gegen 14 Uhr endlich aufgebaut hatten. Ansonsten ähnelt das Deichbrand von den Ansteh-Zeiten dem Hurricane sehr, bei den Toiletten und Duschen dauert es manchmal, vor allem bei den Damen. 2018 befand sich endlich ein Supermarkt auf dem Gelände – der Aldi. Leider dauerte es etwa 20-30 Minuten, um in den Aldi überhaupt hereingelassen zu werden…unbedingt Geduld mitbringen. Wenn abends keine eurer Lieblingsbands spielt, würde ich es ab 20 Uhr versuchen.

OKAY genug gemeckert, das Deichbrand ist trotzdem toll.

Wenn man die anstrengende Anreise überlebt und sich mit dem häufigen Anstehen abgefunden hat, ist das Deichbrand einfach nur perfekt. Jedes Jahr ein tolles Line-Up, fast immer gutes Wetter, sehr nettes Personal überall und beste Stimmung bei jedem einzelnen Menschen. Möwen fliegen über euch hinweg und meistens weht eine kühle Brise der Nordseeluft zwischendurch, die das warme Wetter entspannter macht.

Wir begannen den restlichen Donnerstag mit viel Bier und sahen uns ein paar Stände an. Bei Billy Boy gewannen wir Kondome am Glücksrad, im Aldi kauften wir noch mehr Bier und gingen dann zur Electric Island, die sich glücklicherweise außerhalb des Festivalgeländes befindet, so dass man eigene Getränke mitnehmen kann. Die Tanzfläche dort besteht komplett aus Sand, perfekt um barfuß zu chilligen Electro-Beats in der Sonne zu tanzen. Außerdem bastelten wir ein Schild mit „Free-Hugs“, was ich zuvor noch nie gemacht hatte. Eine extrem schöne Erfahrung, solltet ihr unbedingt ausprobieren und ein bisschen Liebe verteilen! Der süßeste Moment war, als ich gerade meine arme ausstreckte, für ein Foto vor dem Riesenrad posierte und genau in der Sekunde, als ich meine Augen schloss, ein Mädchen zu mir rannte und mich umarmte. Abends schauten wir uns noch You Me At Six im Palastzelt an und gingen relativ früh schlafen, um am nächsten Tag fit für die Bands zu sein.

 

Freitags wache ich meistens verkatert auf, in diesem Jahr war es genauso. Den gesamten Morgen und Mittag widmete ich also der Katerbekämpfung. Als ich dann wieder fit war, gingen wir zum Gelände, um uns für Neonschwarz gute Plätze zu sichern. Von Weitem hörten wir auf der Fire Stage Chefboss spielen. Die Musik klang überraschend gut, weshalb wir hinliefen und in der prallen Sonne zur Musik eskalierten. Chefboss ähneln SXTN ein bisschen, nur mit weniger Beleidigungen und besseren Tanzeinlagen. Ich mag sie beide, doch vielleicht gefallen mir Chefboss seit dem Auftritt beim Deichbrand besser. Neonschwarz gefiel mir dann doch nicht ganz so gut, wie erwartet, also gingen wir zurück zur Fire Stage und ergatterten Plätze weit vorne für meine Lieblingsband OK KID. Eine Band, die meiner Meinung nach jeder mal live erleben muss. Obwohl die Songtexte gar nicht so traurig sind, bringen die drei Jungs die Emotionen so krass rüber, dass ich jedes Mal Tränen in den Augen habe. Einfach nur wunderschön. Genauso schön, wie die Stimme des Sängers von Nothing But Thieves, die wir uns im Anschluss ansahen. Oft klingt Musik auf den CDs ja leider besser, weil die Stimmen bearbeitet werden. Bei den Nothing But Thieves war das NULL der Fall, Conor Masons Stimme klingt live herzzerreißend, klar, gefühlvoll, einfach überwältigend. Nachfolgend spielten noch die Giant Rooks und dann benötigten wir erstmal ein Päuschen in unserem Camp. Dort sammelten wir Kraft für Casper, der um 0 Uhr auftrat. Es war bereits mein viertes Konzert von ihm und trotzdem war ich geflasht von seiner Stimme und der Bühnenshow. Besonders cool fand ich es, dass er „Casper Bumayé“ spielte – vollständiger Abriss!

Am Samstag standen nicht ganz so viele Bands auf dem Plan. Eigentlich wollten wir uns Le Fly anschauen, jedoch steckte ich in einer ewig langen Schlange vor dem Shower Wonderland fest. Die 3€ hätte ich definitiv sinnvoller investieren können. Naja. Zurück im Camp schlossen wir Freundschaft mit einem unserer Nachbarcamps und gingen dann gemeinsam zum Poetry Slam und anschließend zu Von Wegen Lisbeth. Eine Band, die ich bereits dreimal live erlebt habe, aber nie genug kriegen werde. Bitch ich bin für dich den ganzen Weg gerannt, den ganzen Weg alleine… Einfach jedes Mal top, auch in brütender Hitze. Völlig verschwitzt ging es dann rüber zur Water Stage, wo Kontra K auftrat. Genauso super, wie ich mir seine Konzerte vorgestellt hatte. Wir rasteten völlig aus, so dass wir danach ziemlich schrott waren und zurück ins Camp gingen. Einige Stunden später spielten Razz im Palastzelt und danach Bilderbuch auf der Water Stage. Das Konzert begann um 0:10 Uhr, weshalb wir vorher perfekt in der wartenden Menschenmenge in meinen Geburtstag reinfeiern konnten. Die Krönung war, dass die ganze Menge „Happy Birthday“ für mich sang – wunderschön, damit hätte ich niemals gerechnet. Zitat des Abends war dann:“Wir crowdsurfen Anny auf die Bühne. Oder bis nach Hawaii, wenn sie das will!“, von irgendeiner fremden Person. Ich crowdsurfte zwar nicht, was auch alles andere als schlimm war, sondern eskalierte zu Bilderbuch. Definitiv eines meiner Highlights! Anschließend gab’s Geschenke im Camp von meinem Freund und meinem besten Freund. Ich bekam selbstgemachte Kleidung sowie ein Maeckes T-Shirt mit der Aufschrift Loser, was ich sowieso seit Donnerstag mit Edding auf meinen Arm geschrieben hatte. (Das steht übrigens immer noch in einem helleren Hautton auf meinem Arm).

Am Sonntag konnte ich kaum fassen, wie schnell die letzten drei Tage vergangen waren. So nach dem Motto „Wer blinzelt hat’s nicht erlebt“. Wir beeilten uns, denn Alligatoahs Kanalisation wurde bereits um 12:00 Uhr mittags aufgebaut. Kaum zu glauben, aber wahr: Im Innenraum standen STÜHLE! Nur knapp ergatterten wir drei davon, ich konnte es kaum fassen. Alligatoah selbst musste darüber schmunzeln, da auch er noch nie Stühle in einer Festivalmenge gesehen hatte. „Wer Stühle auf einem Festival gesehen hat, hat alles auf der Welt erlebt!“, sagte er dazu. Seine Akkordarbeit-Songs beweisen sein unglaubliches Gesangstalent. Besonders „Willst du“ klingt unbeschreiblich schön. Bei seiner nächsten Tour wird er allerdings wieder die Originalversionen seiner Lieder performen. Erholt vom Sitzen in der prallen Mittagssonne, gingen wir später zurück aufs Festivalgelände für Heisskalt. Einen Teil des Konzerts schauten wir uns vom Jägermeister Platzhirsch aus an. Ich muss zugeben, dass ich es vorher nie geschafft hatte, den Hirsch zu betreten. Genauso wie das Riesenrad – Sollte man mal gemacht haben, muss man aber nicht zwingend. Leider gefällt mir das neue Heisskalt-Album überhaupt nicht, auch live hauten mich die Songs nicht um. Das anschließende SDP Konzert hob sich deutlich von Heisskalt ab. Feiern, lachen, im Mosh-Pit herumspringen… Ich hatte eine Menge Spaß. Danach tankten wir Energie und Bier im Camp und ich versuchte, mich mental auf Maeckes vorzubereiten, was mir absolut nicht gelang. Ich stand in der Menge und konnte es noch immer nicht begreifen. Es war bereits mein zweites Konzert von ihm, jedoch bin ich erst in den letzten Wochen und Monaten ein extremer Fan geworden. Ich konnte alle Songs auswendig, aber kaum mitsingen, da ich permanent Freudentränen in den Augen und einen Kloß im Hals hatte. Maeckes, an diesem Abend ein totales Energiebündel in seinem gelben Anzug, hatte auf jeden Fall riesigen Spaß mit der Deichbrand-Menge. Und wir natürlich mit ihm und den Katastrophen. Auch Tristan Brusch war dabei, er performte XYZ und Marie-Byrd-Land gemeinsam mit Maeckes. Diesmal hatte ich mir fest vorgenommen, etwas zu filmen, um eine Erinnerung zu haben. Unmöglich, Maeckes ist live einfach zu geil zum Filmen und das sage ich über kein anderes Konzert! Bei Partykirche sprang er in die Menge und schaffte es tatsächlich bei den Zeilen „Seht ihn an, er versucht übers Wasser zu schreiten“ auf der Menge zu stehen. Was ich sehr süß fand war, dass zwei Mädels ihm am Schluss des Konzerts gelbe Rosen auf die Bühne warfen.

Schade, dass das Deichbrand schon wieder vorbei ist. Ursprünglich wollte ich 2018 gar nicht kommen und meinen Geburtstag zuhause feiern. Eigentlich war klar, dass das sowieso nicht klappt, da mich das Deichbrand irgendwie magisch anzieht. Vielleicht ist es wahr, dass man sich in sein erstes großes Festival verliebt und für immer darauf kleben bleibt. Zumindest bei mir.

 

Danke fürs Lesen 🙂

Eure Anny aka Festivalistin

 

 

 

 

 

 

3 Kommentare zu „Deichbrand 2018 Rückblick + Tipps

  1. Du bist sooo cool 🙂

    Ich sitz am PC, trinke Bier und kucke „Wacken“ im Livestream. Fängt in paar Minuten an ..

    https://www.magenta-musik-360.de/wacken-open-air-2018-4946

    Sag deinem Freund einen netten Gruß von mir. Ich hoffe der ist genauso drauf wie du und ich (musikmäßig) und geht nicht nur als beschützende Begleiter mit ..

    PS: Die erste Liebe vergisst man nie und ich glaube, sie verlöscht auch nicht wirklich. So ist das auch mit den Festivals und all den Dingen, die uns prägen und zu dem machen, der wir geworden sind \m/ ❤

    Gefällt 1 Person

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