Auf die Bühne geholt: Mein Gitarrensolo mit Hollywood Undead

Gestern Abend spielten Papa Roach und Hollywood Undead in der hannoverschen Swiss Life Hall. Ein Abend, den ich als meine beste Konzerterfahrung bisher verbuchen kann und an den so schnell nichts und niemand mehr herankommen wird.

Mitten im Konzert von Hollywood Undead geht plötzlich das Licht an. Erste verwirrte Blicke im Publikum, aber Rapper Dylan „Funny Man“ Alvarez schafft schon abhilfe: „Leute, wir brauchen eure Hilfe. Spielt hier irgendjemand Gitarre?“ Ich schrecke auf. „Mein Moment!“, denke ich (ob laut oder leise kann ich im nachhinein nicht mehr sagen). Ich springe auf der Stelle und rufe so laut ich kann. Von der Bühne Kommt schon eine Antwort: „Wer du? Bist du gut?“. Ohne nachzudenken nicke ich stürmisch und als ich aufgefordert werde nach vorne zu kommen, wird mir mit jedem Schritt mehr bewusst, worauf ich mich da gerade eingelassen habe.

5000 Blicke lasten auf mir. Überall in der Swiss Hall werden Köpfe gedreht und Hälse gereckt. Die Menge vor mir teilt sich, um mich zur Bühne durchzulassen. Meine Beine versagen und hängen wie bei einem Neugeborenen nutzlos herab, als mich die Security über die Absperrung hebt. Ich war gleichzeitig noch nie so glücklich und panisch wie in diesem Moment. Ein Roadie holt mich ab und zeigt mir den Weg nach oben. Ich kann mich kaum an meinen eigenen Namen erinnern… aber jetzt will ich verdammt nochmal Gitarre spielen.

Charlie Scene und meine Wenigkeit // Foto: Anny Bader

Als ich auf die Bühne trete, fällt alle Anspannung von mir ab. Die Jungs von Hollywood Undead sind freundlich. Ich werde nach meinem Namen gefragt, dann bekomme ich schon Charlie Scenes Gitarre und ein Plektrum in die Hand gedrückt und höre: „Felix spielt jetzt ein geiles Solo für euch!“. Fuck. Da sind schon wieder diese fiesen Gedanken. Ich kann mich an nichts erinnern, das ich spielen kann. Mit viel Mühe greife ich einfache Akkorde. Improvisiere einfach irgendetwas und höre mich dabei auf der Bühne selbst nicht. Dem Publikum scheint es zu gefallen. Viele „Whooos“ und viel Applaus.

Johnny 3 Tears gibt mir sein Plektrum // Foto: Anny Bader

Nach ungefähr 20 Sekunden bin ich dann erlöst, als ich von der Seite ein „Yeeeaaaahh!“ höre und war selten so zufrieden mit mir selbst. Während Johnny 3 Tears den nächsten Song anmoderiert, weist mich Funny Man an, mich am Bass zu orientieren. Was folgt, sind die besten dreieinhalb Minuten meines Lebens, während ich mit Hollywood Undead den Song „Comin‘ in Hot“ performe. Danach bekomme ich fünf Abschieds-High-Fives und von Johnny ein weiteres Plektrum geschenkt. Ich wanke von der Bühne und kann nicht fassen, was gerade passiert ist. Im Anschluss an Hollywood Undead liefern Papa Roach noch eine geile Performance, aber ich kann nicht umhin, mir etwa zwei Mal pro Minute an den Kopf zu fassen, weil ich mein Glück immer noch nicht begreifen kann.

Text: Felix Ferraris

Foto: Anny Bader

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Virginia A. sagt:

    jooo voll geil alter 😀
    ich war ja selber schon immer Hollywood undead fan aber ich hätte mich garnicht getraut auf die Bühne zu gehen xd.
    fetten respekt an dich und ich hoffe das du diesen moment nie vergssen wirst. 🙂
    o.s hier ist die userin von reddit die auch in hannover war xd

    Liken

  2. Herzkoma sagt:

    Hammer. Da können wir Slash jetzt mit Ozzy zusammen in die Rente schicken^^

    Kann man dein „Voodoo Child“ auch irgenwo anhören? Ich meins wirklich nicht spöttisch, aber wenn du so gut Gitarre spielst, dass du dich vor einem Publikum traust zu spielen, das auf Papa Roach (ich liebe die ersten Werke besonders) abfährt, dann sollte diese Erfahrung jetzt positiv auf dein Gitarrenspiel wirken und auf deinen Ehrgeiz.

    Aber ohne Ulk: Ich freu mich mit dir und ziehe den imaginären Hut. Respekt!

    LG Sven 🙂

    PS: Gruß auch an die Festivalistin ..

    Gefällt 1 Person

    1. Felix Ferraris sagt:

      Haha, Danke für den netten Kommentar, ich hab gestern beim Gitarrespielen bestimmt 1000 mal laut gesagt: „Ich wünschte ich wäre Slash“ ^^

      Naja, es gibt zwar Videos, aber da hört man das Publikum leider lauter als mich. Wenn’s dich wirklich interessiert könnte ich die aber auch twittern und dich drauf verlinken 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Herzkoma sagt:

        Leider hab ich kein Twitter. Ich schreib ja mehr poetische Kurztexte und wenn ich etwa Aphorismen twittere, dann werden die bestimmt geklaut und ich will ja mal ein Buch herausbringen, aber wenn meine Texte schon krass im Inet kursieren, wer bestellt mich dann noch bei Amazon .. Ist lieb gemeint von dir .. Danke. Ich selbst hab auch nicht so die Ahnung von Musik. Mir gefällt etwa das neue Album von Ozzy „Ordinary Man“, aber einige Kritiker meinen, das Gitarrenspiel sei eine Frechheit usw. Ich finds dagegen einsame Spitze. Bei zwei Songs spielt Slash die Leadgitarre mit kurzem Solo.

        Aber wenn du das Video sowieo hochlädtst, kuck ich natürlich mal, wenn dein Twitter-Account öffentlich ist und jeder lesen kann ..

        Ich les ja schon länger deine Beiträge über die Konzerte auf dem Blog der Festivalistin. Hast auch ne gute Art, die Dinge mit Worten darzustellen, guter Schreibstil .. Lasst es euch gut gehen. Ihr seid ein Dreamteam 🙂

        Liken

  3. Anita Stall sagt:

    Gänsehaut-Moment! 😍

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s