„Früher ist seit heute tot!“ – Wie Saltatio Mortis den Mittelalter-Rock veränderte

Die Mitglieder von Saltatio Mortis haben nicht nur die Welt des Mittelalter-Rocks verändert und geprägt, sie haben sich auch ganz klammheimlich in mein Herz gespielt. Wie das passieren konnte, warum die Gruppe um Sänger Alea eine Live-Erfahrung wert ist und was die Band so anders macht, als ihre Genrekollegen. Ein Gastbeitrag von Mark Sellner (Twitter: @ finallyfallen).

Nische? Von Wegen!

In vielen Köpfen dürfte der Mittelalter-Rock nach wie vor als Nischengenre existent sein, doch das ist er lange nicht mehr. Neben alten Genrehasen wie In Extremo stürzen immer mehr mittelalterlich geprägte Bands die deutschen Charts. Neben den großen Gewinnern Santiano halten sich Gruppen wie Versengold oder Faun mit jedem neuen Album in den Top 10, doch nicht nur da bekommen wir sie zu sehen und zu hören. Vorallem die Jungs von Santiano haben eine mediale Präsenz die auch in Funk und Fernsehen nicht zu übersehen ist. Doch es gibt da noch eine Gruppe, eine, die die anderen weit in den Schatten stellt, und das, obwohl man von ihnen Nichts im Fernsehen sieht, oder im Radio hört.

Saltatio Mortis (lat. Totentanz) rockte und blies sich auf ihren Dudelsäcken seit ihrer Gründung im Jahre 2000 von ganz unten nach ganz oben. Das war jedoch keinesfalls so geplant! Bevor die Gruppe 2001 ihr erstes Album „Tavernakel“ veröffentlichte, gab es die Band bereits über ein Jahr, als reine Straßenmusiker-Gruppe. Die heute achtköpfige Band erlebte zahlreiche Wechsel der Besetzung über die Jahre. Von den ehemaligen Gründungsmitgliedern sind heute nur noch drei mit von der Partie: Sänger, Dudelsack, Gitarre, Schalmei, Maultrommel und Digeridoo Multi-Talent Alea der Bescheidene, der im wirklichen Leben Jörg Roth heißt. Außerdem Dudelsack-Ikone Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein, bürgerlich Gunter Kopf, und Schlagzeuger und Songwriter Lasterbalk der Lästerliche, oder auch Timo Gleichmann. Die Künstlernamen, die bis heute jedes der Mitglieder trägt, sind ein Überbleibsel ihrer damaligen Zeit als Spielleute. Doch seit damals hat sich viel verändert.

„Stillstand heißt Tod!“

So schreibt die Band in einem ihrer aktuelleren Hits „Wachstum über alles“ und prangert hiermit gleichzeitg die moderne Gesellschaft wie den Kapitalismus an, und obwohl Writer Lasterbalk diesen Satz hier vorwurfsvoll verwendet, lässt er sich doch optimal auf die eigene Entwicklung anwenden. Die Band hat es im Laufe der Jahre nicht nur geschafft, sich selbst stetig neu zu erfinden, aber auch ein ganzes Genre zu prägen. Was machen die Spielleute denn so anders? Seit ihrem ersten Album 2001, dem ersten Charteinstieg auf Platz 54, mit dem Album „Des Königs Henker“ im Jahre 2005, bis hin zum dritten Nummer eins Album in Folge war es ein weiter und steiniger Weg. Was als reiner Mittelalter-Rock begann, fing an, sich über viele verschiedene Themengebiete auszuweiten.

Diese Kombination, mittelalterliche Rockmusik mit Texten über moderne Themen so zu vermischen, ist das, was Saltatio Mortis bis heute einzigartig macht. Denn nicht nur im eben erwähnten „Wachstum über alles“ gehen sie auf Probleme der heutigen Zeit ein. So befasst sich das Lied „Todesengel“ auf dem Nummer eins Album „Zirkus Zeitgeist“ beispielsweise mit den Verbrechen an Juden im zweiten Weltkrieg. Der Song „Morgen Kinder wird’s nicht geben“ greift die Gier der heutigen Gesellschaft als Thema auf, und das Stück „Wir sind Papst“ befasst sich ganz allgemein mit dem Deutschland des 21. Jahrhunderts. Auf diesem Wege entsteht, wie auf dem aktuellsten Album „Brot und Spiele“, eine Reise, die uns mitnimmt. Mitnimmt und mitreißt durch die Geschichte eines sterbenden Freundes in Große Träume, die Depression eines jungen Mädchens in Sie tanzt allein, den Rechtsruck der Gesellschaft in Besorgter Bürger, den unerfüllten Kinderwunsch eines Paares in Spur des Lebens bis hin zum Kater seines Lebens in Nie wieder Alkohol, der Geschichte um Siegfried und Brunhild, und eine Erzählung, die sich kein geringeres Vorbild nimmt, als die Bibel selbst in Tränen des Teufels. Das alles und noch mehr lässt uns Saltatio Mortis in nur einem Album durchleben und durchfühlen. Die Musik regt damit nicht nur zum Nachdenken an, sondern bringt einen auch immer wieder zum Lachen, oder zum Weinen. Die Textsprache der Band variiert hierbei zwischen deutsch, englisch, latein, französisch und schwedisch.

Es bedanken sich: Eure Spielleute von Saltatio Mortis!

Diesen Satz habe ich mittlerweile so oft, wie fast keinen anderen von einer Bühne gehört, denn so beendet Sänger Alea seit jeher seine Konzerte, und diese solltet ihr als Fan von (Rock-)Musik keinesfalls verpassen. Um kurz etwas zu mir selbst zu sagen; Ich verbringe den Großteil meiner Freizeit mit Musik oder auf Konzerten und habe mittlerweile etwas über 200 verschiedene Bands live auftreten sehen, viele davon mehrfach. Dennoch hat mich keine so begeistert, wie Saltatio Mortis. Ich bezeichne mich in meinem Genre nicht als wählerisch, ich war von Ed Sheeran, über Bon Jovi, Metallica und Alligatoah bei so ziemlich allem, was mir irgendwie gefällt. Saltatio Mortis habe ich 2009 das erste mal gehört, ein Freund schickte mir das Lied Spielmannsschwur von dem damals aktuellen (und bis heute meinem Lieblings-) Album „Aus der Asche“. Ich war angetan, aber noch nicht begeistert. Über die Jahre fand ich immer mehr Lieder, die mir gefallen. Bis ich 2016 das erste mal live bei ihnen war, auf dem Hohenberg Sommer Festival in Tuttlingen, verging also viel Zeit. Seit diesem ersten Konzert folgten acht Hallenkonzerte und mehrere Open Airs der „In Castellis“ Tour (Die ihren Namen ganze Ehre macht, da sie nur auf Burgen und Schlössern stattfand!).Weitere fünf Tickets für die diesjährige Tour liegen auch schon bei mir zuhause, und ich kann es kaum erwarten.

Meine große Trauer um die Absage des 20 Jahre SaMo Konzerts hat mich dazu veranlasst, das hier alles zu schreiben, denn mal ehrlich – ich dachte selbst nicht, dass mich ein abgesagtes Konzert so runterziehen könnte. Der Grund dafür ist einfach; Saltatio Mortis gehört zu den besten Live-Acts, die es da draußen wohl geben mag. Die ganze Truppe, allen voran Sänger Alea der Bescheidene, legen eine unfassbare Perfomance hin. Man spürt die Liebe und die Dankbarkeit, für das, was sie da tun dürfen, in jedem Song und jedem Ton. Es ist praktisch nicht möglich, dass es dir auf einem Saltatio Mortis Konzert schlecht gehen wird. Gerade die Publikumsnähe der Gruppe ist etwas, was ich sehr zu schätzen weiß. Es verging bisher kein Konzert ohne die Möglichkeit, die Jungs nach dem Auftritt noch zu treffen. Auch gehen sie öfter auf Liederwünsche des Publikums ein, oder überziehen gerne mal eine Stunde, weil es einfach Spaß macht. Begleitet von einer wahnsinns Licht- und Feuershow wird jedes SaMo Konzert zum einzigartigen Erlebnis, das jeder einmal gemacht haben sollte. Und das beste: Die Jungs kommen nie allein! Im Laufe meiner Konzertzeit mit Saltatio Mortis konnte ich zahlreiche wunderbare Vorbands erleben, wie die Irish-Rocker von Fiddler’s Green und Mr. Irish Bastard in Gießen, die Mittelalter-Metaller von Krayenzeit in Filderstadt, oder die Metalheads von Indecent Behavior in Memmingen und Dornbirn. (Gerade letztere möchte ich euch hier noch als Geheimtipp mitgeben). Abschließend lasse ich euch noch eine Live-Version von einem meiner Lieblingssongs der Jungs da, und wünsche euch viel Spaß!

Also auf zu einem Ticketstore eurer Wahl, besorgt euch Tickets für die „Für immer frei“ Tour, und mit gar nicht so viel Glück sieht man sich dort. Was ist eure Meinung zu der Band? Könnt ihr Ähnliches berichten? Lasst gern ein paar Kommentare da!

Fotos und Text: Mark Sellner

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Herzkoma sagt:

    Kenn ich. Ist nicht schlecht, aber muss man nicht haben. Ist mehr für die HIM-Generation. Aber schön geschrieben. Netter Versuch. Danke 🙂

    Liken

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