Auf der Couch beim Drangsal Konzert: Echtes Konzert-Feeling durch Streams?

In der Corona Situation brauchen die Menschen Musik. Besonders wir KonzertgängerInnen leiden an Entzug. Deshalb beginnen aktuell viele KünstlerInnen, in leeren Hallen aufzutreten und das Ganze zu streamen. So auch Drangsal als Teil des Projekts „Berlin Live“ von Arte Concert. Ich habe mich gefragt, inwiefern nun ein „echtes Konzertgefühl“ rüberkommt und war „live dabei“.

Freitagabend allein auf dem Sofa mit einem Glas Weißwein in der Hand. Ich warte bis der Countdown abläuft und es endlich 21 Uhr ist. Der Rest meiner WG macht irgendetwas anderes, nur die Katze schaut ab und zu in meinem Zimmer vorbei. 3…2…1… und sofort erscheint Drangsal mit seiner Band auf dem Bildschirm meines Fernsehers.

Nachdem sie in akustischer Version ihren Song „Will Ich Nur Dich“ performten, murmelt Drangsal: „Song Nummer eins“, im ganzen Saal herrscht Stille. Der Applaus fehlt, der Moment fühlt sich leer und trostlos an. Weiter geht’s im Konzert, insgesamt spielt die Band ein etwa 30-minütiges Set. Vor der Bühne ist so viel Platz. Nur der Kameramann steht oder kniet ab und zu dort, um die perfekten Filmaufnahmen für die Zuschauer zuhause aufzunehmen. „Da würde ich jetzt so gern stehen!“, denke ich traurig.

Drangsal Arte
Ein Screenshot des Livestreams | © Arte

Realität vs. Stream

Drangsal, bürgerlich Max Albin Gruber, steht seit 2016 auf der Bühne (vermutlich bisher nie ohne Zuschauer). 2016 erschien sein Debütalbum „Harieschaim“, 2018 folgte „Zores“. Durch den Song „Keine Angst“, den er 2017 gemeinsam mit Casper aufnahm, erreichte Drangsal einen hohen Bekanntheitsgrad. Der brachte ihn schließlich unter anderem auf die Bühnen des Highfield-  , Rock am Ring sowie des MS Dockville Festivals. Beim Dockville 2019 sah ich Drangsal zum ersten Mal auf der Bühne stehen.

Während seines Konzerts beim MS Dockville sprühte der Sänger nur so vor Energie und steckte damit jeden Fan in der Menge an. Die Stimmung war super. Im Stream hingegen wirkt Max weniger glücklich und eher demotiviert. Auch ihm scheint der Applaus und der Zuspruch von anwesenden Fans zu fehlen. „So werden die Konzerte in der Zukunft“, sagt er trotzdem. Ob er das ein bisschen ironisch meint? Vermutlich. Hoffentlich.

Wir sind nicht allein!

Letztendlich ist es angenehm, trotz ausbleibender Konzerte und Festivals in der „Quarantäne“ trotzdem Live-Auftritte sehen zu können. Das Konzertgefühl ist nicht zu 100% echt. Dennoch muntert mich der Gedanke auf, dass die Band dort tatsächlich gerade steht und für Zuschauer wie mich spielt. Auch wenn wir alle zuhause herumsitzen sind wir nicht allein.

Hier geht’s zum Konzert.

Beitragsbild: © Main Kleiner, FKP Scorpio

 

 

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Toller Text, kann deinem Eindruck von Streaming-Konzerten nur zustimmen. Das erste Konzert nach Corona wird jedem von uns wahrscheinlich lange in Erinnerung bleiben. Schon erstaunlich, was es ausmacht, gemeinsam mit anderen einer Band zuzuhören und wie sehr einem das fehlen kann.

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    1. Anny sagt:

      Vielen Dank! 🙂 Hoffentlich können wir im Herbst wieder auf Konzerte gehen, wenn auch nur auf kleine.

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      1. Da hast du recht, das wäre nach den ganzen verfallenen Konzerttickets wieder eine schöne Abwechslung.

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  2. Coin sagt:

    Ich habe mir den Livestream mit Drangsal auch angesehen und muss sagen empfand es auch als Genugtuung wenigstens etwas „livefeeling“ zu erleben. Zwischendurch habe ich sogar so laut mitgesungen, dass meine Frau mich komisch von der Seite angeschaut hat 😉
    Aber trotzdem, seien wir ehrlich. Das schwitzige Gefühl in ner Konzertlocation ersetzt das ganze natürlich nicht.

    Lg

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  3. Anita Stall sagt:

    Meiner Meinung nach toppt Don Daiblo in Sachen Corona-Livestreams alles. Der Typ streamt einfach aus einem verdammten Raumschiff! Auch wenn ich nicht glaube, dass du so auf Elektro stehst wie ich, ist das definitiv ein Blick wert. Unter den DJs ist er mit Abstand der Beste.

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  4. Herzkoma sagt:

    PS: Seltsame Zufälle: Gerade nachdem ich den obigen Kommentar geschrieben hatte, klingelte Amazon und brachte mir die bestellte Vinyl von Eric Clapton: „46I Ocean Boulevard“, die ich eigentlich erst am 30. April erhalten sollte. Es ist wohl eine der besten Werke von Clapton. Ist eingeschweißt und ich hoffe, dass die Platte keine Fehler aufweist wie etwa die letzte Platte von Ozzy Osbourne.

    Ja, ich hab mir seit einiger Zeit einen Plattenspieler zugelegt, weil meiner Meinung nach die Klänge wärmer und dynamischer rüberkommen und hab schon ein paar Werke in Vinyl in meinem Regal angesammelt. Ist halt lästig, immer auf dem Sprung zu sein am Ende der Platte, weil die automatische Endabschaltung bei diesen hochwertigen Teilen fehlt, aber es lohnt sich gehörmäßig. Zudem braucht man auch bessere Kabel als diese, die beim Kauf beiliegen. Das kann teuer werden ..

    Falls dir das eingebettete Lied von Rory nicht zusagt, einfach nach dem Hören löschen. LG Sven

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  5. Herzkoma sagt:

    Eric Clapton wird 75 und ich hab mir ne Live-CD eingelegt und hab somit natürlich auch den Applaus im Haus 🙂

    Wusst übrigens nicht wirklich – obwohl ich ihn immer mal wieder hörte – wie gut der Mann Gitarre spielt. Hatte meistens die Hits gehört und den Klangbrei nicht so analysiert. Heute hör ich mit geschärfteren Sinnen und es haut voll gut rein.

    Dazu Butterkekse von Aldi und Cola ohne Zucker .. Ja, ganz angenehm, weil man auch nebenbei andere Sachen machen kann .. Ob ich während der Corona-Krise wohl noch zum Aufräumen komme? Liegt bei mir alles auf dem Boden rum .. Aber erstmal in den PC schauen und dann .. weiter prokratinieren 😉

    Gruß aus OF, Sven

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    1. Anny sagt:

      Den guten Mann hat Felix sich letztes Jahr sogar live angesehen! Manche Songs mag ich auch, Cream sind auch toll. Lg

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      1. Herzkoma sagt:

        Als Gitarrist wie Felix muss man Eric Clapton kennen, weil er einen einmaligen Stil hat. Dass du „Cream“ kennst, hätt ich nicht erwartet, denn das war lange vor unserer Zeit und ich hab das Glück, dass ich Eltern hatte, die absolute Musikfreaks waren und mit der Musik der Woodstock-Generation aufgewachsen bin.

        Mein Favorit neben Jimi und Eric ist übrigens ein irischer Gitarrist namens „Rory Gallagher“. Würd ich Felix empfehlen, weil der Mann wie keiner auf dem Tonabnehmer spielt, was diese geilen knacksigen Töne hervorbringt. Aber auch, was er aus einer alten Ukulele hervorbringt, muss sich nicht verstecken:

        Gruß an ein Dreamteam: Dich und Felix 🙂

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