Arlo Parks veröffentlicht ihr Debüt

Die Londoner Sängerin Arlo Parks legt ihr erstes Album vor. Es trägt den Titel Collapsed in Sunbeams und erschien am 29.01.2021.

Gerademal 20 Jahre alt und schon so erfolgreich, bisher auch ohne Debüt. Sie trägt kurz rasierte Haare seit sie 17 ist und steht offen zu ihrer Bisexualität. Mit „Cola“ veröffentlichte Arlo Parks 2018 ihre erste Single. An wachsender Bekanntheit gewann die Sängerin 2020 mit „Eugene“, „Black Dog“ sowie einem Cover von Radiohead’s „Creep“. Teilweise ist ihr Erfolg vermutlich der Plattform Spotify zuzuschreiben, von der sie offensichtlich unterstützt wird. In allen Indie-Playlists steht Arlo Parks ganz oben, am Tag ihres Debüt-Releases wird sie zum Gesicht der „New Music Friday“ Playlist. Zurecht?

Klanglich eingekuschelt

Collapsed in Sunbeams umfasst zwölf Songs. Alle davon sind vom Sound her ruhig und zwischen Indie, Pop und Soul einzuordnen. Parks‘ Stimme klingt sanft und klar, sie wirkt beruhigend. Der Sound wickelt die HörerInnen in eine Decke, hält sie im Arm und wiegt sie sacht. Instrumental wird ihr Gesang von Schlagzeug, Gitarre und Blasinstrumenten, wie etwa dem Saxophon in „Hurt“ begleitet. Klanglich halten sich die Instrumente jedoch im Hintergrund, Gesang und Text spielen die entscheidenden Rollen. Das Album beginnt mit einem einminütigen gesprochenen Intro von Parks:

Collapsed in sunbeams

Stretched out open to beauty however brief or violent

I see myself ablazed with joy, sleepy eyed

Feeding your cat or slicing artichoke hearts

I see myself sitting beside you

Elbows touching, hurt and terribly quiet

The turquoise in my ring matches the deep blue cramp of everything

We’re all learning to trust our bodies

Making peace with our own distortions

You shouldn’t be afraid to cry in front of me in moments

Arlo Parks – Collapsed In Sunbeams

Die Lyrics handeln häufig nicht von Gefühlen der Sängerin direkt, sondern von Personen in ihrem Umfeld. Parks hilft anderen und sorgt dafür, dass es ihnen besser geht. Beispielsweise in „Black Dog“ singt sie: „Just take your medicine and eat some food/ I would do anything to get you out your room/ It’s so cruel what your mind can do for no reason“. Auf liebevolle Weise zeigt sie damit ihr Mitgefühl für die Welt um sie herum. Auch ihr queeres Leben und das Thema Outing spricht Parks an: „Remember when they caught us makin‘ out after school/Your dad said he’d felt like he lost you“ (Green Eyes). Meistens geht es um Liebe und das Gefühl nicht allein zu sein mit den Problemen, in denen man gerade ertrinkt. Der Song „Hope“ inklusive Video sprechen ebenfalls für Parks‘ Hilfsbereitschaft.

Verdient sie den Ruhm?

Arlo Parks wäre ohne Spotify’s Unterstützung heute sicher nicht ganz so bekannt. Um das zu leugnen, hat die Plattform zu große Einflüsse. Das ändert jedoch nichts an der Qualität des Albums. Lyrics und Klang schlingen sich umeinander, dazwischen befindet man sich als HörerIn mit einem wohligen Bauchgefühl. Collapsed In Sunbeams hätte zu keinem besseren Augenblick erscheinen können, als in dieser komplizierten Zeit.

Wie sich das Ganze live anhört, erfahren Parks‘ Fans auf ihrer Tour im Frühling, falls diese stattfindet. In Deutschland ist sie in Berlin, Hamburg und Köln zu sehen.

Beitragsbild: © Alex Kurunis/ FKP Scorpio

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Herzkoma sagt:

    „Der Sound wickelt die HörerInnen in eine Decke, hält sie im Arm und wiegt sie sacht.“

    Das ist nicht nur wundervoll poetisch ausgedrückt, sondern auch prägnant treffend. Ich denke, da fliegt nicht nur jemand auf der Mainstreamwolke mit, sondern verarbeitet auch seine ureigenen Gefühle, seine Freude, seinen Schmerz, seine Erwartungen ans Leben – und macht zudem Mut, zu sich zu stehen.

    Die begnadete Sängerin zeigt, dass auch die leisen Töne sehr laut sein können, wenn sie ins Herz treffen. Auch der Sound gefällt, der Rhythmus lädt zum sanften Mitschwingen ein. Eine Musik, die wohl keinem Hype folgt und die man noch gerne hören wird, wenn sich keiner mehr an die Unterwäsche-Artistinnen erinnern wird, die teilweise von ihrer Choreografie und schlüpfrigen Texten leben.

    Dennoch auch ein wenig auf der Woge der Zeit mitschwimmend, werden hier neue Akzente gesetzt. Wer sich durchsetzen will, muss das Publikum im Auge haben und braucht Förderer. Das Gesetz des Marktes ist leider knallhart. Spotify weiß, was es tut.

    Die Sängerin jedoch überzeugt in ihrem Stil, in ihrem Auftreten, mit ihrer Stimme und ihren Texten. Das ist nicht zu leugnen. „Arlo Parks“ sollte man auf jeden Fall gehört haben. Ich wünsch ihr alles Gute für die Zukunft und dass sie sich treu bleibt.

    Dank an die Verfasserin, die es immer wieder schafft, mich an wertvolle Musik ranzuführen, die einem Metaller wie mir sonst verschlossen bliebe. Wer sich nur auf einen Musikstil, nur auf eine Musikrichtung festlegt, der lebt wirklich ärmer. So bleibe ich offen für alles.

    Schönes Wochenende 🙂

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    1. Anny Bader sagt:

      Freut mich, dass dir der Text sowie die Sängerin gefallen. Schönes Wochenende! 🙂

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      1. Herzkoma sagt:

        Klingst du verhalten oder bilde ich mir das nur ein?

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