Wird aus Taylor Momsen jetzt Taylor Swift?

Heute veröffentlichen The Pretty Reckless ihr viertes Studioalbum Death by Rock and Roll. Ganz so rockig wie der Titel klingt es allerdings nicht.

Frontfrau Taylor Momsen steht im Mittelpunkt von The Pretty Reckless. Die Band spielt Alternative-Rock und Blues-Rock, sie gründete sich 2009 in New York. 2010 folgte das Debütalbum Light Me Up. Nach Heaven Knows von 2014 sowie Who You Selling For von 2016 erscheint am 12.02.2021 das lang ersehnte vierte Album Death by Rock and Roll.

Ein starker Anfang

Zwölf Songs bilden das 50-minütige Album – drei davon veröffentlichte die Band bereits als Singles. Death by Rock and Roll, 25 und And So It Went, letzteres eine Kollaboration mit Tom Morello von Rage Against The Machine. Die Songs legten die eigene Messlatte hoch und versprachen den Fans eine Platte, die an den Sound von Heaven Knows anknüpfen könnte. Davon ist man auf der ersten Hälfte von Death by Rock and Roll als HörerIn durchaus überzeugt. Wild und energiegeladen klingen die ersten 20 Minuten, also die ersten fünf Tracks. Drei davon allerdings die bereits bekannten Singles.

Hinzu kommt Only Love Can Save Me Now, das The Pretty Reckless zusammen mit Matt Cameron und Kim Thayil, ehemals Mitglieder von Soundgarden, aufnahmen. Gitarrensound des Heavy Metal, tiefer Gesang, das Ganze in langsamem Tempo, wodurch der Song aber keinesfalls ruhig wirkt. Bei etwa drei Minuten beginnt das Herzstück des Songs, das Gitarrensolo von Kim Thayil. Im nachfolgenden My Bones bildet ein Stampfen die Bassline, das Lied erinnert an marschierende Skelette. Im Refrain schreit Taylor Momsen mit ihrer rauchigen Stimme: „Bury it down with my soul/Down in my soul“. My Bones weist viele unterschiedliche Passagen auf, weicht vom Gewöhnlichen ab und ist daher der interessanteste Song des Albums.

Und dann?

Darauf folgt eine Country-Ballade. Got So High ist das sechste Lied auf Death by Rock and Roll und die erste von fünf Country Balladen. Nein, das ist leider kein Witz. Aufgelockert wird der Sound von Broomsticks, einer kurzen Zwischensequenz mit Echo-Effekt auf Taylor Momsens Stimme. Der Track leitet Witches Burn ein. Klanglich nochmal ganz typisch für The Pretty Reckless: Harte Gitarren und bluesiger Gesang. Nach dieser kleinen Auflockerung folgen nur noch Balladen. Bei Standing at the Wall möchte man als HörerIn ein Feuerzeug in die Luft strecken. Doch dann soll es bitte rockig weitergehen. Tut es aber nicht. Turning Gold klingt wie ein läppischer Versuch, nochmal Rock and Roll zu produzieren. Rock and Roll Heaven erinnert klanglich an das Outro eines mittelmäßigen Familienfilms, in dem vielleicht jemand Gitarre gespielt hat. Man sieht eine Familie von hinten, sie gehen Arm in Arm über ein Feld. Die Sonne geht unter und der Hund läuft schwanzwedelnd hinterher. Wäre Taylor Momsens Stimme nicht so rauchig, hätte das Lied auch Taylor Swift singen können. Generell passt der Sound der letzten vier Songs eher zu ihr, als zu The Pretty Reckless. Der letzte Song Harley Darling beginnt mit einer Mundharmonika – Mehr muss ich nicht sagen, oder?

Die erste Hälfte des Albums klingt, als könne die Platte The Pretty Reckless gerecht werden. Dann geht es leider den Bach runter. Wer Country-Balladen mag, kommt auf seine Kosten, Rockfans müssen ganz stark sein. Schade, ich hatte aufgrund drei gelungener Vorreiter-Platten mehr von Death by Rock and Roll erwartet.

Beitragsbild: © Atomsplitter PR/ Promo The Pretty Reckless

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Herzkoma sagt:

    PS: Und die Moral von der Geschicht,
    gute Stimmen reichen nicht 😉

    Gefällt mir

  2. Herzkoma sagt:

    „And So It Went“ kommt ganz gut. Tom Morello ist mir ein Begriff, weil er auch bei Ozzys letztem Versuch die Klampfe zum Schwingen brach.

    „Only Love Can Save Me Now“ fängt ja schon gut mit Gitarre an. Kim Thayil bringt hier wohl wirklich Farbe durch sein kurzes Solo rein und andere Kicks rein.

    „My Bones“ ist wirklich der Hammer. Kein Überflieger für Death Metal Fans wie mich, aber irgendwie doch interessant und gut zu goutieren.

    Dann hab ich mehr so seichte Songs mit zwar guter Begleitung gehört, die mich eher an Country-Musik erinnern und eher langweiligen.

    Insofern: Gut erkannte und richtig eingeschätzt von dir.

    Lieben Gruß, Sven ❤

    Gefällt 1 Person

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