Jeremias und ihr Debüt „golden hour“

Die hannoversche Band JEREMIAS veröffentlicht ihr Debüt Album golden hour. Beats, funky Gitarren und ehrliche Texte nehmen die HörerInnen mit in die Welt junger Musiker.

Vier Jungs Anfang 20 aus Hannover festigen ihr musikalisches Dasein durch ihr erstes Album golden hour. Jeremias erschienen 2019 auf der Bildfläche und veröffentlichten die EP Du musst an den Frühling glauben. Im Frühling 2021 geht es nun weiter. „Das ist ungelogen die Welt für uns“, verkündet die Band auf ihrem Instagram Kanal. „Es war wie ein Tunnel, in dem es nur um Tracks geht, ein Eintauchen in verboten nackte und schmerzhafte Bereiche des Kopfes, ein Baden in Sounds und Vibes“, beschreiben sie den Aufnahmeprozess. Ihre Songs zeugen von Leichtigkeit, sind melancholisch, aber auch tanzbar. Klanglich einordnen lässt sich die Band zwischen Von Wegen Lisbeth und Provinz.

Das instrumentelle Intro xx leitet golden hour ein und baut mit einem funky Gitarrenriff langsam Spannung auf. Dazu kommt die Bassline, jetzt fehlt nur noch der Gesang. Damit geht es im nächsten Song weiter. Die Instrumente verlieren an Power, ein leiser Synthesizer und tiefe Bässe begleiten die klare Stimme des Sängers bei sorry. Fast eine Ballade, fast ein bisschen pathetisch, fast langweiliger Mainstream Pop. Doch der individuelle Sound macht aus poppigen Balladen chillige Indie Pop Songs, die dank der Bässe tanzbar sind. Synthesizer und Gitarre erschaffen gemeinsam eine Atmosphäre von Funk, ausgelassener Stimmung und einer jugendlich verträumten Leichtigkeit. Das ist bei nie ankommen, hdl, ich mags, mio und paris der Fall, die Jeremias bereits als Singles veröffentlichten. Mit 2 folgt ein instrumentelles Zwischenspiel, woraufhin der Klang erstmal an Unbeschwertheit verliert. Einfach ist eine Ballade, für die die Gitarre und Bässe durch ein trauriges Klavier ersetzt werden. Im Vergleich zum Rest des Albums ein bedrückender Song, der nicht ganz zum Rest passt. Für das Lied golden hour kehrt der Klang zum gewohnten Stil von Jeremias zurück. Die Platte endet mit weniger und Gitarrenslides, die schleppend zu einem Ende kommen und den Text musikalisch untermalen.

Die Lyrics sind persönlich, besungen wird das Leben als junger Musiker. Partys, Liebe, auf Tour gehen wollen, aber es wegen Corona nicht können. Sex kommt auch vor, aber das Wort wird immer nur leise gehaucht. Ich mags ist eine „Hommage an den Drogenrausch“, wie die Band auf Instagram erklärt. Der letzte Song weniger handelt kontrastiert davon, mehr vom Leben zu wollen, als aktuell möglich ist. Mit der Freundin im Bett liegen reicht nicht. Obwohl „alles eigentlich perfekt“ scheint, wollen Jeremias mehr erleben, als aktuell möglich ist: „doch bin ich ehrlich, will ich weg“. Die Hoffnung darauf, dass das Leben, welches zwar gut läuft, noch mehr zu bieten hat. Die Zeilen „oh mein Gott ich hoff‘ so sehr, dass das nicht alles ist“ in mio beschreiben Ähnliches. Erfolg und steigende Bekanntheit, aber gleichzeitig die Angst, dass es von nun an wieder bergab gehen könnte. Die Suche nach einem Platz in der Welt. Manchmal neigen die Texte zur Theatralik, werden aber vom Sound wieder in eine entspannte Richtung gelenkt.

Wir geben golden hour die Bewertung 8/10!

Beitragsbild: Pressefoto ©Lucio Vignolo

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s